Fragen und Antworten

Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Stiftung auf einen Blick.

  • Die Stiftung wurde von Bund, Ländern und Kirchen sowie deren Wohlfahrtsverbänden errichtet (Errichter). Sie hat einen Lenkungsausschuss, einen überregionalen Fachbeirat, eine Geschäftsstelle und regionale Anlauf- und Beratungsstellen.

    Die Geschäftsstelle der Stiftung ist an das Bundesministerium für Arbeit und Soziales angegliedert. Ansprechpartner für Betroffene und deren Vertretung sind die Anlauf- und Beratungsstellen, die von den Ländern eingerichtet sind. Eine Anlauf- und Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden Sie hier.

  • Die Stiftung Anerkennung und Hilfe unterstützt mit folgenden Anerkennungs- und Unterstützungsleistungen:

    • Anerkennung durch wissenschaftliche Aufarbeitung der Leids- und Unrechtserfahrungen,
    • Öffentliche Anerkennung des erfahrenen Leids und Unrechts und individuelle Anerkennung durch ein persönliches Gespräch in den Anlauf- und Beratungsstellen,
    • Unterstützung durch finanzielle Hilfen.

    Mehr dazu erfahren Sie auf der Seite "Wie unterstützt die Stiftung?"

  • Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, erhalten Betroffene eine einmalige Geldpauschale in Höhe von 9.000 Euro zur selbstbestimmten Verwendung. Diese soll die Folgewirkungen des Erlebten abmildern und damit einen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation leisten.

    Betroffene, die während ihres Aufenthaltes in der stationären Einrichtung sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben, ohne dass die Einrichtung dafür Beiträge zur Sozialversicherung gezahlt hat, können einen Ausgleich für entgangene Rentenansprüche erhalten (einmalige Rentenersatzleistung). Für geleistete Arbeit von bis zu zwei Jahren beträgt die einmalige Rentenersatzleistung 3.000 Euro. Für geleistete Arbeit von mehr als zwei Jahren erhöht sie sich auf 5.000 Euro.

  • Die Anmeldung besteht aus drei Schritten:

    1. Kontaktaufnahme mit der zuständigen Anlauf- und Beratungsstelle,
    2. persönliches Beratungsgespräch in der Anlauf- und Beratungsstelle und
    3. gemeinsames Ausfüllen der Formulare (Erfassungsbogen und Einwilligungen zum Datenschutz) mit der Beraterin oder dem Berater der Anlauf- und Beratungsstelle.


    Weitere Informationen finden Sie auf der Seite "Wie funktioniert die Anmeldung?".

  • Die Anmeldung erfolgt bei der jeweiligen Anlauf- und Beratungsstelle im Bundesland des derzeitigen Wohnorts.

    Solange in einem Bundesland noch keine Anlauf- und Beratungsstelle errichtet ist, können sich Betroffene an eine von der zuständigen obersten Landesbehörde benannte oder beauftragte Kontaktstelle wenden.

    Die Karte zeigt, wo sich die Anlauf- und Beratungsstellen bzw. die Kontaktstellen in den Bundesländern befinden.

  • Die Kontaktaufnahme zu den regionalen Anlauf- und Beratungsstellen ist bis zum 31. Dezember 2019 möglich.

  • Anmelden können sich Personen, die in der Vergangenheit als Kinder oder Jugendliche während der Unterbringung in einer stationären Einrichtung der Behindertenhilfe bzw. der Psychiatrie Leid und Unrecht erfahren haben und heute noch an Folgewirkungen leiden. Näheres erfahren Sie auf der Seite "Wer kann sich anmelden?".

  • Bei der Anmeldung können sowohl Angehörige, Nachbar/innen, Freund/innen und Mitarbeiter/innen von Einrichtungen als auch Betreuer/innen und Vertreter/innen unterstützen.

    Für eine verbindliche Anmeldung für finanzielle Hilfen (einmalige Geldpauschale und Rentenersatzleistung) ist jedoch die eigene Unterschrift bzw. die Unterschrift einer gesetzlichen oder rechtsgeschäftlichen Vertretung erforderlich.

  • Die Anerkennungs- und Unterstützungsleistungen der Stiftung Anerkennung und Hilfe sind freiwillige Leistungen der Errichter und werden ohne Anerkennung einer Rechtspflicht geleistet. Aus dem Erhalt dieser freiwilligen Leistungen können keine neuen Rechtsansprüche entstehen oder hergeleitet werden.

    Mit der freiwilligen Zahlung der Anerkennungs- und Unterstützungsleistungen ermöglichen die Errichter den Betroffenen, denen aus unterschiedlichen Gründen andere Wege zur Entschädigung und Kompensation ihres Leids nicht offenstehen, Leistungen und Hilfe erhalten zu können. Damit soll eine zeitnahe Befriedung erreicht werden.

    Ausschluss von Doppelzahlungen

    Die freiwilligen Leistungen der Stiftung werden grundsätzlich nicht zusätzlich zu Leistungen gezahlt, auf die ein anderer Anspruch besteht oder die bereits eine Kompensationsmöglichkeit geben. Dennoch ist kein/e Betroffene/r daran gehindert, andere Ansprüche oder Kompensationsmöglichkeiten zu verfolgen; d. h. er/sie kann solche Ansprüche geltend machen.

    Betroffene, die bereits eine zu demselben Zweck erbrachte Leistung aufgrund der Unterbringung in einer stationären Einrichtung der Behindertenhilfe oder stationären psychiatrischen Einrichtung bekommen, können jedoch keine oder je nach Fallgestaltung nur geringere Leistungen aus der Stiftung erhalten.

    Erläuterung

    Zu demselben Zweck erbrachte Leistungen sind grundsätzlich Leistungen, die sich unmittelbar auf denselben Sachverhalt beziehen, aus dem das Leid und Unrecht resultiert, das mit den Stiftungsleistungen anerkannt wird.

    Dies können sein:

    • von den Kirchen im Einzelfall an Betroffene zu demselben Zweck erbrachte Leistungen,
    • Leistungen nach dem Operentschädigungsgesetz (OEG),
    • sonstige Entschädigungszahlungen (z. B. aus unerlaubter Handlung oder Amtshaftung) einschließlich der Ansprüche wegen Rentenminderung gegen die öffentliche Hand, die Kirchen und ihre Ordensgemeinschaften und Wohlfahrtsverbände, deren Mitglieder und Einrichtungen.

    Keine zu demselben Zweck erbrachten Leistungen sind Leistungen nach den SED-Unrechtsbereinigungsgesetzen (Strafrechtliches Rehabilitierungsgesetz, Berufliches Rehabilitierungsgesetz und Verwaltungsrechtliches Rehabilitierungsgesetz), d. h. neben diesen Leistungen können Betroffene auch Stiftungsleistungen erhalten.

  • Für Personen, die eine materielle Hilfe aus den Fonds "Heimerziehung West" und "Heimerziehung in der DDR" oder aus dem Ergänzenden Hilfesystem, d. h. dem Fonds "Sexueller Missbrauch im familiären Bereich" (FSM) oder dem "EHS - institutioneller Bereich", erhalten haben, ist die materielle Hilfe dieser Hilfesysteme abschließend. Sie können darüber hinaus keine Geldpauschale der Stiftung Anerkennung und Hilfe erhalten.

    Eine Rentenersatzleistung der Fonds "Heimerziehung" für Zeiträume der Unterbringung in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe kann bei Vorliegen der Voraussetzungen für eine Rentenersatzleistung der Stiftung Anerkennung und Hilfe aufgestockt werden (sofern der Maximalbetrag von 3.000 Euro für Arbeit bis zu 2 Jahren bzw. von 5.000 Euro für Arbeit von mehr als 2 Jahren noch nicht erreicht ist).

    Für Personen, die eine Rentenersatzleistung aus den Fonds "Heimerziehung" erhalten haben, die höher als die Rentenersatzleistung der Stiftung (Maximalbetrag von 3.000 Euro für Arbeit bis zu 2 Jahren bzw. von 5.000 Euro für Arbeit von mehr als 2 Jahren) ist, ist diese Rentenersatzleistung abschließend. Sie können darüber hinaus keine Rentenersatzleistung der Stiftung Anerkennung und Hilfe erhalten.

  • Die Stiftung Anerkennung und Hilfe unterstützt Menschen, die in der Bundesrepublik Deutschland vom 23. Mai 1949 bis zum 31. Dezember 1975 oder in der DDR vom 7. Oktober 1949 bis zum 2. Oktober 1990 in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder der Psychiatrie untergebracht waren und dort Leid und Unrecht erfahren haben.

  • Stationäre Einrichtungen der Behindertenhilfe sind grundsätzlich nichtklinische Einrichtungen zur Betreuung, Förderung oder Pflege von Menschen mit Behinderungen, in denen sich die Bewohnerinnen und Bewohner in der Regel tagsüber und nachts aufhielten und die alle Lebensbereiche (Wohnen, Arbeit, Freizeit) umfassten.

    Eine kurze vorübergehende Abwesenheit z. B. am Wochenende in der Familie, führt nicht dazu, dass Leistungen aus der Stiftung ausgeschlossen sind.

    Stationäre Einrichtungen der Psychiatrie sind psychiatrische Krankenhäuser zur stationären Behandlung psychisch kranker Menschen in offenen oder geschlossenen Stationen, in denen sich die Patientinnen und Patienten grundsätzlich tagsüber und nachts aufhielten und die sie ohne Einwilligung der Leitung nicht verlassen konnten.

    Beide Einrichtungsarten können sowohl öffentliche und kirchliche als auch freie oder private Träger gehabt haben.

  • Erfahrungen von Leid und Unrecht sind individuell geprägt.

    Das Erlebte kann z. B. in Zusammenhang stehen mit körperlicher, psychischer oder sexualisierter Gewalt, mit dem Ausschluss von Schul- und Ausbildung, mit mangelnder gesundheitlicher Versorgung und Ernährung, oder mit erbrachter Arbeitsleistung ohne Lohn bzw. ohne Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen.

    Näheres erfahren Sie auf der Seite "Wer kann sich anmelden?".

  • Nein. Die finanziellen Hilfen der Stiftung (einmalige Geldpauschale und die Rentenersatzleistung) werden weder als Einkommen noch als Vermögen auf Sozialleistungen nach dem Zweiten und Zwölften Buch Sozialgesetzbuch (SGB II, SGB XII) angerechnet, da dies eine unbillige Härte darstellen würde.

    Die finanziellen Hilfen sind außerdem unpfändbar und einkommensteuerfrei.

    Weitere Informationen erteilen die Anlauf- und Beratungsstellen und können Sie dem Informationsblatt zur Steuerfreiheit, Nicht-Pfändbarkeit, Nicht-Anrechnung auf Sozialleistungen  [PDF, 347KB] entnehmen.

  • Nein. Der Erhalt von finanziellen Hilfen der Stiftung (einmalige Geldpauschale und die Rentenersatzleistung) bewirkt keine Änderung der Betreuervergütung.

    Die Leistungen der Stiftung gehören nicht zum Einkommen oder Vermögen, das eine Betreute/ein Betreuter zur Betreuervergütung einsetzen müsste, da dies eine unbillige Härte darstellen würde.