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Auftaktveranstaltung der Hamburger Anlauf- und Beratungsstelle stattgefunden

21. März 2017

Am 20. März 2017 fand die gemeinsame Auftaktveranstaltung der Hamburger Sozialbehörde und der Evangelischen Stiftung Alsterdorf zur Errichtung der Hamburger Anlauf- und Beratungsstelle statt.

Auftaktveranstaltung Hamburger Anlauf- und Beratungsstelle
Auftaktveranstaltung Hamburger Anlauf- und Beratungsstelle (v.l.n.r.): Senatorin Dr. Melanie Leonhard (Behörde für Arbeit, Soziales, Familie u. Integration - BASFI), Prof. Dr. Hanns-Stephan Haas (Vorstandsvorsitzender Evangelische Stiftung Alsterdorf), Hanne Stiefvater (Vorstand Evangelische Stiftung Alsterdorf), Renate Voss (ehem. Bewohnerin der früheren Alsterdorfer Anstalten), Dr. Ulrike Winkler (Historikerin, Autorin), Dr. Dirk Mellies (BASFI) und Dr. Michael Wunder (Leiter Beratungszentrum Alsterdorf) Quelle:  BASFI, März 2017

HAMBURG. Am 20. März 2017 fand die gemeinsame Auftaktveranstaltung der Hamburger Sozialbehörde und der Evangelischen Stiftung Alsterdorf zur Errichtung der Hamburger Anlauf- und Beratungsstelle statt. Der Vorstandsvorsitzende der Evangelischen
Stiftung Alsterdorf, Prof. Hanns-Stephan Haas, entschuldigte sich zu Beginn bei allen, die in den damaligen Alsterdorfer Anstalten Leid erfahren haben. Hamburgs Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonhard (SPD) verwies darauf, dass Betroffene noch heute an den
Folgen des damals Erlebten leiden:

Es ist wichtig, dass dieses Leid und Unrecht nun endlich als solches anerkannt wird und Betroffene zügig eine Unterstützungsleistung erhalten.

Ein Vertreter der Sozialbehörde erläuterte daraufhin die Unterstützungsleistungen. Anmeldungen können in Hamburg wie in den meisten anderen Bundesländern ab dem 1. April über die regionale Anlauf- und Beratungsstelle erfolgen.

Auftaktveranstaltung Hamburger Anlauf- und Beratungsstelle
Auftaktveranstaltung Hamburger Anlauf- und Beratungsstelle: Renate Voss (ehemalige Bewohnerin der früheren Alsterdorfer Anstalten) und Dr. Michael Wunder (Leiter Beratungszentrum Alsterdorf) Quelle:  BASFI, März 2017

Zutiefst bewegt waren die rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung – darunter viele ehemalige Bewohner der Alsterdorfer Anstalten – über zwei Zeitzeugeninterviews. Der Leiter des Alsterdorfer Beratungszentrums Dr. Michael Wunder interviewte Renate Voss und Werner Boyens. Beide berichteten von Schikanen und Repressionen, die sie immer wieder zu erdulden hatten. Spontan berichteten Betroffene daraufhin ebenfalls von persönlichen Leiderfahrungen.

Zuletzt gab Dr. Ulrike Winkler einen systematischen Einblick in den Alltag der „Sonderwelten“ der Anstalten und Heime der „Behindertenhilfe“ in den 1950er bis 1970er Jahre. Auch sie ließ vor allem Zeitzeugen über die damaligen Zustände in den Einrichtungen der Behindertenhilfe sprechen.

Im Laufe der Veranstaltung äußersten einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowohl Dank als auch Kritik an dem Vorhaben der Stiftung. Kritisiert wurde beispielsweise die Beschränkung der Unterstützungsleistungen auf damals Minderjährige sowie auch den Zeitraum 1949 bis 1975 für das Gebiet der Bundesrepublik. So habe es auch nach 1975 Fixierungen gegen den Willen der Bewohnerinnen und Bewohner gegeben. Prof. Hanns-Stephan Haas betonte deshalb, dass die historische Aufarbeitung unabhängig von den Unterstützungsleistungen der Stiftung auch in Zukunft weitergeführt werde.