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Sozialexperte und Vorstand des Wittekindshof: Entschädigungen für behinderte Heimkinder laufen gut an - Mehr Aufklärung über Stiftung notwendig

14. August 2017

BAD OEYNHAUSEN. Die seit Jahresbeginn möglichen Entschädigungen für ehemalige Heimkinder mit Behinderungen laufen nach Einschätzung des Sozialexperten Dierk Starnitzke gut an.

Nach unseren bisherigen Eindrücken arbeiten die zuständigen Anlaufstellen der Bundesländer und die Stiftung selbst gut,

sagte der Theologische Vorstand der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in Bad Oeynhausen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dass nun auch behinderte Menschen Ansprüche auf Entschädigungen haben, müsse aber noch bekannter gemacht werden. Die ersten Antragsteller, mit denen der Wittekindshof im Kontakt stehe, seien zum Teil zu Hause besucht, freundlich behandelt und fair befragt worden, erläuterte Starnitzke. Einige hätten schon eine Anerkennungszahlung bis zu 14.000 Euro erhalten.

Da ist wirklich auch das Gefühl bei ihnen entstanden, dass man ihnen glaubt und sie mit ihrem erfahrenen Leid anerkennt.

Bei den Anhörungen zur Vorbereitung der Stiftung habe er die Sorge gehabt, dass die Vorgabe, das erfahrene Leid plausibel zu begründen, gerade für Menschen mit geistiger Behinderung eine Überforderung sein könne, erklärte Starnitzke weiter.

Das hat sich nach meinem bisherigen Eindruck nicht bestätigt.

Vielerorts sei die Stiftung mit den Entschädigungsmöglichkeiten in der Öffentlichkeit und auch bei den Trägern der Eingliederungshilfe noch nicht bekannt genug, sagte Starnitzke weiter.

Wenn man sich vergegenwärtigt, welche schlimme Diskriminierung die geschädigten Personen erfahren haben und wie viele davon betroffen sein könnten, verdient das Thema eine viel größere öffentliche Aufmerksamkeit.

Starnitzke begrüßte das mit der Stiftung verbundene Forschungsprojekt, das die Vorgänge wissenschaftlich aufarbeitet.

Im Wittekindshof würden allein etwa 620 ehemalige Kinder und Jugendliche, die als Antragsteller infrage kommen, bis heute als Klienten unterstützt, sagte der Wittekindshof-Chef weiter. Ihre gesetzlichen Betreuer habe er in diesen Tagen persönlich angeschrieben, um sie über die Antragstellung zu informieren. Die 1887 in Bad Oeynhausen gegründete Diakonische Stiftung Wittekindshof betreut heute 4.300 Menschen mit und ohne Behinderungen in Ostwestfalen, im Münsterland und im Ruhrgebiet.

Die Anfang des Jahres gegründete Stiftung Anerkennung und Hilfe soll behinderte Menschen entschädigen, die in Heimen der Bundesrepublik und der DDR unter repressiven Erziehungsmethoden gelitten haben. Diese Gruppe war bei dem vor einigen Jahren aufgelegten Fonds zur Entschädigung von Heimkindern nicht berücksichtigt worden.